01.04.2021

Mit dem Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG) im März 2020 sollten gezielt Fachkräfte aus Drittstaaten nach Deutschland zuwandern. Man wollte für diese Art der Zuwanderung von Qualifizierten nicht nur einen Rahmen, sondern auch einen Anreiz schaffen. 


Das beschleunigte Fachkräfteverfahren sollte als „fast lane“ fungieren, um das Problem der überlasteten Botschaften zu entgehen. Ob damit auch das Problem der überlasteten Ausländerbehörden und Anerkennungsstellen gelöst wurde – zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar.


Die Vorteile des FEG stehen jedoch – wie der Name schon sagt – unter der Bedingung, dass es sich bei dem Migranten tatsächlich um eine „Fachkraft“ handelt.


Wer ist nun eine „Fachkraft“?


Das deutsche nationale Aufenthaltsrecht sagt dazu – ganz einfach – Folgendes:


Fachkraft im Sinne dieses Gesetzes ist ein Ausländer, der

1. eine inländische qualifizierte Berufsausbildung oder eine mit einer inländischen qualifizierten Berufsausbildung gleichwertige ausländische Berufsqualifikation besitzt (Fachkraft mit Berufsausbildung) 

oder

2. einen deutschen, einen anerkannten ausländischen oder einen einem deutschen Hochschulabschluss vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss besitzt (Fachkraft mit akademischer Ausbildung).


Gut, wer ist nun wirklich eine Fachkraft?

Darüber entscheiden in der Regel die Anerkennungsbehörden in einem entsprechenden Verfahren. 

Sind nun tatsächlich mehr Fachkräfte nach Deutschland eingewandert? Konnte der Fachkräftemangel durch Zuwanderung gedeckt werden?

Zu Zwecken der Erwerbstätigkeit (also auch für die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit) sind im Jahre 2020 60.945 Visa (vgl. https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2439256/857094ef5728c4c12b9e7576348bb8e3/210202-erteilte-d-visa-2020-barrierefrei-data.pdf) weltweit von den deutschen Auslandsvertretungen erteilt worden – im Vergleich hierzu waren es im Jahre 2019 119.496 Visa weltweit. (vgl. https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2304368/c8880d52c26a9314f0c416a90879e0a0/200206-uebersicht-d-visa2019-data.pdf

Also kann man wohl – auch pandemiebedingt – weiterhin von einem Fachkräfteengpass ausgehen.

Führt das FEG aber nicht zwangsläufig in Deutschland zu einem Brain Gain - und in den Drittstaaten zu einem Brain Drain – Effekt? 

Vielleicht.


Übrigens:

Nach dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist es nun u.U. möglich, auch dann nach Deutschland zu kommen, wenn die erworbene Berufsqualifikation aus dem Herkunftsstaat nicht vollständig anerkannt wird. 

Vorausgesetzt werden in diesem Fall aber u.a. deutsche Sprachkenntnisse auf dem Niveau A2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen. 

Dann kann der Migrant u.U. nach Deutschland kommen, um durch Qualifizierungsmaßnahmen eine vollständige Anerkennung zu erreichen.

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